Mut. Und was sich in Kappadokien wirklich verändert hat.
- Michaela Hoppe
- 7. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Im letzten Blogbeitrag habe ich ja bereits erwähnt, dass Kappadokien irgendetwas mit uns gemacht hat. Etwas, das geblieben ist. Besonders bei mir. Etwas Großes kündigte sich an – und jetzt hat es mich endgültig eingeholt.
Seit 18,5 Jahren arbeite ich im selben Unternehmen. Am 01.08.2007 habe ich dort meine Ausbildung zur Bürokauffrau begonnen, und eigentlich bin ich seitdem nie wirklich weggegangen. Meine Aufgaben haben sich nie großartig verändert: Erst war es ein Mix aus Kurse planen und Buchhaltung, später dann ausschließlich Buchhaltung, Kostenrechnung und die Betreuung unserer Auszubildenden. Es war immer okay. Perfekte Arbeitszeiten, tolle Kolleginnen, eine Arbeit, die mir meistens Spaß gemacht hat. Und doch… irgendwann spürte ich, dass da noch etwas anderes in mir schlummert. Etwas Größeres. Etwas, das nach Veränderung ruft.
Nur der Mut hat gefehlt.
Als unsere Idee entstand, mit dem Camper auf Reisen zu gehen, dachte ich erstmal: Perfekt! Weiterhin ein sicherer Job, tolle Arbeitszeiten – und trotzdem die Welt sehen. Geht es schöner? Und tatsächlich, es war perfekt. Ein bisschen arbeiten, ein bisschen Geld verdienen und dazwischen unendlich viele Erlebnisse.
Wenn da nicht dieser Wunsch nach persönlicher und beruflicher Weiterentwicklung wäre. Ein Wunsch, der in den letzten Wochen immer lauter wurde. Ich kann gar nicht genau sagen warum – vielleicht, weil wir unterwegs so viele inspirierende Menschen treffen, mit besonderen Lebensmodellen, einzigartigen Jobs oder mutigen Geschichten. Je mehr wir sehen, desto stärker wurde in mir der Gedanke: Das Leben hat so viel zu bieten… und ich möchte mehr davon.
Auf der einen Seite sagten Andi und ich immer wieder: „So könnten wir ewig weiterleben.“ Und auf der anderen Seite meldete sich ein tiefer Wunsch: endlich Zeit für mich zu haben. Zeit, um herauszufinden, was wirklich in mir steckt und welche Leidenschaften da unterschwellig seit Jahren nach Aufmerksamkeit rufen.
Denn ganz ehrlich – diese Zeit hatte ich bisher nie. Schule. Ausbildung. Job. 39-Stunden-Woche. Abends noch die Sportkurse, die ich gegeben habe. Wo sollte da Platz für echte, tiefliegende Interessen sein?
Und jetzt, wo wir plötzlich so viel Zeit haben, kamen diese Wünsche und Gefühle mit voller Wucht hoch.
Also habe ich all meinen Mut zusammengenommen. Und nach über 18 Jahren meiner Chefin gesagt, dass ich kündigen werde. Nicht nur ihr – auch meinen Kolleginnen, mit denen ich so viel erlebt habe, und natürlich meiner Familie. Ich hatte solche Angst davor, es zu erzählen. Ich befürchtete Unverständnis, weil von außen betrachtet ja wirklich alles perfekt war: Remote Job, Reisen im Camper, finanzielle Sicherheit.
Aber das Gegenteil passierte. Alle haben mich verstanden. Selbst meine Eltern – die meinen Job immer als sicheren Hafen gesehen haben – sagten plötzlich: „Mach das. Es ist gut, nach etwas Neuem zu suchen.“
Seitdem reisen Andi und ich anders. Bewusster. Freier. Natürlich habe ich eine sehr lange Kündigungsfrist, aber allein zu wissen, dass sich etwas verändern wird, fühlt sich unglaublich gut an.
Eine Kollegin schrieb mir etwas, das mich zum Nachdenken brachte: „Ich wünsche euch viel Glück für diesen großen Veränderungsschritt – wobei er ja eigentlich kleiner ist als der erste: das Haus zu verkaufen und im Camper zu leben.“
Und genau da lag sie – zumindest bei mir – komplett falsch. Klar, es hat Mut gekostet, das Haus zu verkaufen. Aber ich hatte immer noch meinen sicheren Job und eine monatliche Einnahmequelle. Außerdem konnten wir uns das Leben im Camper schon gut vorstellen, weil wir ja schon so oft länger damit unterwegs waren.
Doch die Kündigung? Das ist für mich die größte Veränderung überhaupt. Zum ersten Mal in meinem Leben lasse ich die Sicherheit los. Zum ersten Mal vertraue ich einfach auf das Leben.
Und in den letzten Monaten habe ich so oft gehört: „Es kommt, wie es kommen muss. Alles fügt sich, wenn man dem Leben vertraut. “Genau das versuche ich jetzt.
Es fühlt sich unglaublich gut an – und gleichzeitig total ungewohnt. Jeden Tag denke ich: Was kommt da wohl noch auf uns zu? War es die richtige Entscheidung? Und dann kommen die großen Fragen: Oh Gott, vielleicht müssen wir bald unsere Krankenversicherung selbst zahlen. Wo werden wir leben? Wie lange werden wir noch reisen?
Es ist ein Abenteuer. Ein echtes. Und wir genießen jede einzelne Minute darin.
Und somit werden wir uns in der nächsten Zeit wirklich auf das konzentrieren, was wir möchten. Auf das, was richtig zu uns passt – und darauf, an welchem Ort wir uns ein Leben wirklich vorstellen können. Viele Ideen schwirren schon in unseren Köpfen herum, vielleicht sogar schon ein paar sehr konkrete… aber das verraten wir jetzt noch nicht. 😉




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