Für uns geht es ohne Camper weiter... Weihnachten in Bulgarien, Schnee, Pannen und ein Abenteuer, das wir nie vergessen werden
- Michaela Hoppe
- vor 12 Minuten
- 7 Min. Lesezeit
Weihnachten in Bulgarien war zunächst genau so, wie wir es uns erträumt hatten. Wir hatten eine wunderschöne Ferienwohnung in den Bergen, umgeben von kleinen Seen und beeindruckender Natur. An Heiligabend begann es zu schneien – fast wie bestellt. Die Landschaft verwandelte sich in ein Wintermärchen und wir verbrachten knapp eine Woche dort, völlig entschleunigt und glücklich.

Doch schon in dieser Zeit zeigte sich die erste kleine, ungünstige Situation. Morgens sprang unser Camper nur noch nach mehreren Versuchen an. Wir wollten das abklären lassen und fuhren in eine nahegelegene Werkstatt. Die Diagnose schien eindeutig: Wir brauchten eine neue Batterie. Während Andi den 23.12. in der Werkstatt verbrachte, wartete ich mit Ebby in der Unterkunft. Nebenbei erkundigte sich Andi noch nach Schneeketten – leider ohne Erfolg, so kurzfristig waren keine aufzutreiben.
Als er zurückkam, waren wir voller Zuversicht, dass das Problem nun gelöst sei. Doch am nächsten Morgen das böse Erwachen: Es hatte sich nichts geändert. Der Camper sprang weiterhin schlecht an. Da Heiligabend war, hatten wir keine Möglichkeit, erneut in die Werkstatt zu fahren. Also nahmen wir es erst einmal so hin – schließlich war es ja bislang auch irgendwie gegangen.

Wir machten das Beste daraus: Sauna, Tischtennis, eine Glühweinwanderung – und es schneite und schneite unaufhörlich. Ein rundum gelungener Tag. Am nächsten Morgen konnten wir unseren Augen kaum trauen: blauer Himmel und unfassbar viel Schnee. Was im ersten Moment traumhaft schön war, wurde im nächsten Moment zu einem großen Problem.
Wir mussten auschecken und wollten weiter Richtung Serbien. Doch wir kamen nicht vom Fleck. Immer mehr Leute aus der Unterkunft versammelten sich um unseren Camper und halfen uns. Es dauerte knapp zwei Stunden, kostete viele Nerven, aber irgendwann waren wir befreit. Dann ging es weiter – auf die Schlitterpiste, ohne Schneeketten. Bergab war es noch machbar, bergauf jedoch unmöglich. Dreimal mussten wir unsere Route ändern, um überhaupt voranzukommen.
Aber wie heißt es so schön: Am Ende wird alles gut. Wir fanden einen wunderschönen Stellplatz mitten in den Bergen, mit einem gemütlichen Restaurant


inklusive Spa-Bereich. Dort verbrachten wir den ersten Weihnachtsabend mit leckerem Essen, traditioneller Musik und Tanz – ein ganz besonderer Abschluss dieses chaotischen Tages.
Langsam fuhren wir mit kleinen Zwischenstopps weiter Richtung Serbien. Unser Ziel: Belgrad, um den Camper dort gründlich durchchecken zu lassen. Aber dann kam alles anders. Mitten auf der Autobahn blinkte plötzlich das Warnzeichen „Motorservice “ im Display auf. Wir konnten nur noch 40 km/h fahren. Wir fuhren sofort rechts ran – keine 30 Sekunden später hielt ein Mann vom Pannenservice hinter uns. Er erklärte uns, dass wir so nicht weiterfahren könnten, und erzählte, er habe einen Bruder in Österreich, der Deutsch spreche und uns helfen könne. Noch bevor wir überhaupt reagieren konnten, hatten wir diesen „Bruder“ am Telefon. Das Gespräch kam uns merkwürdig vor. Plötzlich war es nicht mehr der Bruder, sondern ein Cousin, der angeblich immer hervorragende Arbeit leiste. Währenddessen rief der Mann bereits einen Abschleppdienst. Uns kam das alles sehr seltsam vor, also zückten wir unsere ADAC-Karte und riefen dort an. Der ADAC erklärte uns, dass diese Masche bekannt sei und wir auf einen seriösen ADAC-Abschleppdienst warten sollten. Daraufhin wurde der Mann frecher und meinte, er habe ja bereits einen anderen Abschleppwagen gerufen. Das ließ uns allerdings kalt. Wir fuhren mit dem ADAC am Telefon noch ein paar Meter bis zur nächsten Abfahrt, um einen genauen Standort zu haben. Etwa eine Stunde später kam der ADAC-Abschleppdienst und brachte uns – wie wir dachten – in eine Partnerwerkstatt.

Dort wurde unser Camper untersucht. Die Diagnose kam schnell: ein kaputter Turbolader, außerdem müsse der Dieselfilter getauscht werden. Wir bekamen einen Mietwagen und man sagte uns, alles sei bis Mittwoch fertig (es war Sonntag). Also buchten wir eine Unterkunft in Belgrad und verbrachten dort erstmal eine schöne Zeit.
Am Mittwochmorgen riefen wir in der Werkstatt an, um zu fragen, wann wir vorbeikommen könnten. Die Antwort: Der Camper sei nicht fertig, es gebe große Probleme, man melde sich um 12 Uhr. Natürlich kam kein Anruf. Wir fuhren trotzdem in Richtung Werkstatt und telefonierten unterwegs. Uns wurde gesagt, wir sollten kommen.
Vor Ort wurden wir – wie schon beim ersten Mal – nicht wirklich freundlich empfangen. Mit gebrochenem Deutsch erklärte man uns, dass der Camper nun gar nicht mehr anspringe. Außerdem müsse ein neues Steuergerät eingebaut werden. Uns kam das alles sehr merkwürdig vor. Wir riefen unseren Kfz-Mechaniker in Deutschland an. Auch ihm war die ganze Sache nicht geheuer. Also entschieden wir uns, eine andere Werkstatt zu suchen, denn das neue Steuergerät hätte auch eine Lieferzeit von 10 Tagen gehabt. (Nebenbei stellte sich heraus: Der Turbolader war übrigens gar nicht kaputt.)
Das große Problem: Es war Silvester. Wir riefen etwa 15 Ford-Werkstätten in Belgrad und Umgebung an. Entweder ging niemand ans Telefon oder es wurde sofort aufgelegt, sobald wir nach Englisch fragten. Zwischendurch erkundigten wir uns beim ADAC, ob er erneut einen Abschleppdienst übernehmen würde. Die Antwort: ja, aber nur innerhalb von 80 km.
Irgendwann hatten wir Glück. Ein Mann ging ans Telefon, sehr freundlich, und sagte, er habe 15 Jahre Erfahrung mit Ford. Er sprach mit seinem Chef – und sie wollten uns in dieser Notsituation helfen. Also gaben wir unseren Mietwagen ab und ließen den Camper an Silvesterabend in diese neue Werkstatt abschleppen. Parallel buchten wir irgendeine Unterkunft in der Nähe.
Als wir in der Werkstatt ankamen, trauten wir unseren Augen kaum. Selbst unsere Freunde haben teilweise größere Werkstätten als diese. Aber: Es stand ein anderer Ford Transit dort, es hing ein Ford-Schild, und die Männer waren sehr freundlich. Sie riefen uns ein Taxi, das uns zu unserer Unterkunft brachte.

Die Unterkunft war eine große, wunderschöne Villa und im Angebot stand, dass wir eine Übernachtung inklusive Frühstück bekommen würden. Wir durften ein Zimmer nutzen und der Besitzer sagte uns, dass wir alleine im Haus wären, da er selbst auf eine
Party gehe. Wir könnten alles nutzen. Wir freuten uns sehr – bis wir merkten, dass es sich um eine Hochzeitslocation handelte. Im ganzen Haus gab es ausschließlich Alkohol. Kein Essen. Kein Frühstück. Lediglich eine Packung Instantnudeln durften wir verwenden.
Also machten wir uns einen improvisierten Silvesterabend mit Bier, Gin und Instantnudeln. Am nächsten Morgen wollten wir zum Bäcker – aber weit und breit war nichts. Und wir hatten keinen
Mietwagen mehr. Also gab es zum Frühstück wieder Instantnudeln, diesmal mit einer Avocado und einer Tomate, die wir noch hatten.
Am späten Nachmittag hielten wir es nicht mehr aus – schließlich hatten wir am Vortag auch nur „gefrühstückt“. Wir erinnerten uns an den netten Taxifahrer, der gesagt hatte, wir könnten ihn jederzeit anrufen. Also fragten wir, ob am 01.01. irgendwo ein Pizzadienst offen habe. Kurz darauf meldete sich seine Tochter, die gut Englisch spricht, und bot an, uns etwas zu organisieren. Zur Sicherheit bestellten wir gleich vier Pizzen – der Abend war gerettet.

Am nächsten Tag meldete sich die Werkstatt: Sie hätten nun ein neues Steuergerät eingebaut (was bei der vorherigen Werkstatt angeblich 10 Tage gedauert hätte). Allerdings könnten wir noch nicht fahren, da nun ABS-Probleme aufgetreten seien. Man warte auf ein neues ABS-Modul. Uns kam alles wieder sehr merkwürdig vor. Zwei Werkstätten in Deutschland bestätigten uns, dass es extrem unwahrscheinlich sei, dass all diese Schäden so entstanden seien.
Dann war wieder Wochenende. Keine Rückmeldung. Die Situation war nervenzerreißend. Nach langem Hin und Her sprachen wir erneut mit dem ADAC – wir wollten einfach nur noch weg. Weg von der Werkstatt, weg aus Serbien, ehrlich gesagt.
Eine sehr kompetente und freundliche Frau vom ADAC erklärte uns, dass wir Anspruch auf einen Rücktransport hätten, wenn der Wagen nach drei Tagen nicht repariert sei – in ein Land unserer Wahl. Unser Gedanke: Hätte der ADAC uns das an Silvester gesagt, hätten wir uns niemals für eine Werkstatt in Serbien entschieden, sondern für Wien oder ähnliches. Aber nun ja – dumm gelaufen.
Nach vielen Gesprächen konnten wir schließlich einen Rücktransport unseres Campers nach Deutschland organisieren. Dieser kann allerdings bis zu zehn Tage dauern, und der "Sammeltransporter" fährt höchst wahrscheinlich mehrere Wochen bis nach Deutschland :-(
Nun stellte sich die nächste Frage: Wie kommen wir hier weg? 40 km vor Belgrad, mit Hund und Gepäck. Einen ganzen Tag lang spielten wir alle Optionen durch. Zug war schwierig, nur Regionalzüge, Ebby darf nicht ins Schlafabteil. Flixbus: Hund nicht erlaubt. Flug: Ebby müsste in den Frachtraum – keine Option. Am Ende blieb nur eine Möglichkeit: BlaBlaCar. (Private Mitfahrgelegenheit)
Wir fanden direkt eine passende Fahrt von Belgrad nach München und buchten sie. Doch wie kommen wir nach Belgrad? Taxi war zu teuer, Bus zu umständlich. Also schilderten wir unsere Situation dem netten Mann vom Mietwagenverleih, bei dem wir uns für die Zeit einen Wagen geliehen hatten, um vor Ort mobil zu sein. Er bot uns an, uns für einen kleinen Betrag morgens um 5 Uhr nach Belgrad zu fahren.
Wir packten nur das Nötigste aus unserem Camper, ließen uns von ihm zur Unterkunft bringen, und am nächsten Morgen ging es los. Unterwegs erzählten wir ihm alles. Er sagte, dass die erste Werkstatt hier bekannt sei und zur "Mafia "gehöre. Sie würden Leute von der Autobahn „fischen“ und viel Geld verlangen. Es könne sogar sein, dass sie mit einem Magneten einen elektronischen Schaden auf der Autobahn inszeniert hätten. Es sei auffällig, dass der Mann exakt in dem Moment hinter uns auftauchte, als wir Probleme hatten. Wir sind uns natürlich nicht sicher, ob es so war, trotzdem war es ein Schock. Wie schlimm kann eine Geschichte bitte sein? Alles lief schief. Wir hatten keinen Camper mehr und wussten nicht, wann – oder ob – wir ihn wiedersehen würden. Und das Schlimmste: Wir möchten jedem Land, jeder Kultur eine Chance geben. Aber Serbien – ihr habt es uns wirklich nicht leicht gemacht. Leider gibt es immer wieder Menschen, die aus einer Notlage anderer einen großen Vorteil ziehen wollen. Trotzdem möchten wir auch etwas Positives sagen. Wir glauben, dass uns diese ganze Situation irgendwo weitergebracht hat. Wir haben viel gelernt. Vor allem haben wir gemerkt, wie sehr wir an unserem Camper und an der damit verbundenen Freiheit hängen. Außerdem haben wir unglaublich nette Menschen kennengelernt: den Taxifahrer und seine Tochter, den hilfsbereiten Mietwagenverleiher, die netten Brüder – Besitzer unserer Unterkunft – die uns am Ende nur 20 Euro für die Nacht berechnet haben, und die tolle Fahrgemeinschaft über BlaBlaCar. (5 Leute und 1 Hund in einem kleinen Minivan :-) )

Wir haben einen tiefen Einblick in die Kultur Serbiens bekommen, aber auch in die Probleme des Landes. Viele Menschen verdienen unglaublich wenig und müssen im Supermarkt aber mehr bezahlen als wir in Deutschland. All diese Erfahrungen nimmt uns niemand mehr.
Und so schwer alles war: Es tat uns auch gut, diese 14 Tage einfach mal nichts zu tun. Nach den vielen Eindrücken der letzten Monate war es vielleicht genau das, was wir gebraucht haben.
Jetzt sind wir wieder gestärkt und motiviert für die Weiterreise. In München verbrachten wir die Nacht im Hotel und am nächsten Morgen ging es von dort aus mit einem Mietwagen in die Schweiz zu Andis Bruder. Dort verbringen wir die nächsten Wochen im Schnee und in den Bergen. Wir können gerade nur das Beste aus der Situation machen, den Kopf nicht in den Sand stecken und unser
flexibles, freies Leben weiterführen – in dem festen Glauben, dass am Ende alles wieder gut wird.



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