Ein magischer Ort in der Türkei, den ihr im Herbst erleben solltet
- Michaela Hoppe
- 3. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Seit Mitte Juli sind wir nun schon mit unserem Camper unterwegs. Meist bleiben wir nur ein oder zwei Nächte an einem Ort – immer auf der Suche nach neuen Eindrücken, neuen Ausblicken, neuen Momenten. Doch vergangene Woche ist etwas passiert, womit wir gar nicht gerechnet hatten: Wir haben einen Ort gefunden, der uns so sehr verzaubert hat, dass wir einfach geblieben sind. Aus der Idee, nur ein bis zwei Nächte hier zu bleiben, wurden am Ende fünf.
Ein Platz, der sich wie Zuhause anfühlt

Wir standen nicht direkt am Meer, aber der Blick in die Weite war wunderschön. Irgendetwas an diesem Ort war anders – friedlich, ruhig, beinahe spirituell. Vielleicht lag es an der Atmosphäre, an den Pinien und Eukalyptusbäumen, die überall Schatten spendeten und mit bunten Lampions geschmückt waren. Vielleicht auch an den Menschen, die so entspannt und freundlich waren.
Zum ersten Mal trafen wir andere Camper aus Deutschland in der Türkei – ein nettes Paar, mit dem wir einen wirklich schönen Abend verbrachten. Sie brachten es auf den Punkt: „Dieser Ort fühlt sich an wie ein riesiger Campingplatz.“ Und genau so war es. Überall kleine Parzellen im besten Sinne – liebevoll gestaltete Restaurants, kleine Unterkünfte, gemütliche Plätze. Alles wirkte offen, frei und familiär.
Yoga, Feuer und Sterne – die Magie der Chimaira

Eines unserer Highlights war der Ausflug zu den Chimaira-Feuern (auch Yanartaş genannt) – einer antiken Naturerscheinung, bei der aus dem Boden ewige Flammen schlagen. Schon in der Dunkelheit machten wir uns mit Kopflampen auf den Weg: rund einen Kilometer bergauf, begleitet vom fernen Klang von Trommeln und Gesang, der uns schon aus der Ferne entgegenschallte.
Oben angekommen, war es einfach magisch. Zwischen den Felsen loderten kleine Feuer – sie brennen hier seit Jahrtausenden, weil aus dem Boden immer wieder natürliches Gas austritt. Als wir gerade ankamen, erklang der erste Trommelschlag. Eine Frau begann zu singen, mit einer Stimme, so klar und kraftvoll, dass sie an eine Opernsängerin erinnerte. Wir bekamen Gänsehaut.
Menschen saßen rund um die kleinen Feuer, trommelten, sangen und ließen den Moment einfach auf sich wirken. Es herrschte eine ganz besondere, fast mystische Stimmung – als wäre dieser Ort ein Treffpunkt für alle, die ein bisschen Magie spüren wollen.
Sonnenaufgänge, Yoga und Meeresmomente

Jeden Morgen sind wir an den langen Sandstrand gegangen, um den Sonnenaufgang über dem Meer zu sehen. Wenn die ersten Sonnenstrahlen aufs Wasser trafen, war die Stimmung einfach unglaublich ruhig und friedlich. Wir haben dort meistens etwas Yoga gemacht und den Tag entspannt begonnen – mit Meeresrauschen, warmen Sand unter den Füßen und dieser besonderen Energie am frühen Morgen.
Man konnte sich auch ein SUP-Board ausleihen und direkt raus aufs Meer paddeln. Der Sonne entgegenzugleiten, während sich das Wasser langsam färbt und die Berge im Hintergrund heller werden, war ein echtes Highlight.

Danach sind wir oft joggen gegangen – die Strecke dort war einfach perfekt. Flach, mit Blick aufs Meer, und im Hintergrund wurden die Berge von der Sonne angeleuchtet. Das sah jedes Mal total beeindruckend aus. Das war einer unserer schönsten Joggingstrecken
der ganzen Reise.
Wandern, Ruinen, Meer – alles in einem Ort
Von Çıralı aus führen viele Wanderwege in die umliegende Natur. Besonders spannend: die antiken Ruinen von Olympos, einer der bedeutendsten Städte des antiken Lykien. Zwischen Pinien und Zikadengesang wandert man durch jahrtausendealte Mauern, bevor man wieder ans Meer gelangt. Wer mag, kann außerdem Bootstouren zu kleinen Höhlen entlang der Küste unternehmen – ein echtes Paradies für Entdecker.
Vier Gesichter der Türkei

Auf unserer Reise haben wir die Türkei bislang in vier ganz unterschiedliche Bereiche kennengelernt:
Den touristischen Teil, mit Hotelketten, glänzenden Resorts und Transporten für Touristen in großen schwarzen Bussen.
Den authentischen, einheimischen Teil, wo Menschen mit wenig leben, Kinder mit einfachen Mitteln spielen und Landwirtschaft das Leben prägt.
Den typischen Strandbereich für Einheimische, wo Familien picknicken, Musik hören, essen, lachen – und einige leider etwas Müll hinterlassen.
Und den naturverbundenen Teil, wo Menschen Yoga machen, wandern gehen und die Einfachheit genießen

Und genau hier liegt Cirali. Dieser Ort ist einfach nur traumhaft, perfekt für Naturfreunde, aber auch für Camper und Hotelurlauber gleichermaßen. Wenn wir vorher gewusst hätten, dass die Türkei im Oktober/November solche perfekten 28 Grad bietet, wären wir wohl schon häufiger dem Schmuddelwetter in Deutschland entflohen und hätten uns in den Flieger nach Antalya gesetzt.
Das Spannende am Reisen ist, dass man all diese verschiedenen Seiten eines Landes kennenlernen darf. Wir ziehen immer weiter, sehen jeden Tag etwas Neues – und genau das macht es so besonders. Aber manchmal ist es auch ganz schön viel. Abends sitzen wir oft da und müssen die ganzen Eindrücke erst einmal sortieren. Da geht einem vieles durch den Kopf – von den spielenden Kindern, die so wenig haben, bis hin zu der Frage, warum die Welt eigentlich so ungerecht aufgeteilt ist.
Gleichzeitig trifft man unterwegs immer wieder Menschen, die einen inspirieren. So haben wir zum Beispiel einen ganz netten Mann aus Russland kennengelernt, der Russland verlassen hat, nun in Georgien lebt, mit dem Backpack unterwegs ist und den Winter in Thailand verbringt. Morgens gab es bei ihm manchmal etwas Brot mit Honig, abends eine Dose Bohnen – und wir, die manchmal denken, wir hätten nichts mehr im Kühlschrank, merken erst, wie verwöhnt man eigentlich ist. Wir haben so viel über die Kultur und die Situation in Russland erfahren und hingen einfach an seinen Lippen. Wir saßen noch lange zusammen, haben Tee getrunken und er erzählte uns, dass es ein Mix aus dem Garten seiner Mutter ist. Diese einfache, persönliche Geste machte den Abend besonders. Gleichzeitig wurde uns wieder bewusst, wie viel Freiheit ein deutscher Pass einem gibt – so viele Menschen dürfen gar nicht auf diese Art unterwegs sein oder nach Europa reisen
Ein Ort für Herz und Seele
Der Küstenabschnitt von Mavikent bis Antalya ist landschaftlich einfach traumhaft. Überall kann man wandern, baden und antike Orte entdecken. Mit dem Camper ist es dort gar nicht so einfach, einen Platz zu finden, da vieles unter Naturschutz steht – was wir großartig finden.
Aber Çıralı ist anders: Hier treffen sich Hotelurlauber und Camper gleichermaßen. Alles wirkt harmonisch, freundlich, leicht.
Wir möchten euch diesen Ort wirklich ans Herz legen – besucht Çıralı im Herbst. Es ist ein Ort, an dem die Zeit langsamer vergeht, die Sonne weicher scheint und die Abende magisch leuchten. 🌅





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